Scheiße gebaut?!

Der Jugendrechtspodcast

Folge 66: Soziale Trainingskurse - "Ich wär' da längst nicht so geduldig..."

In dieser Episode besprechen wir die Rolle sozialer Trainingskurse und teilen praktische Erfahrungen. Zudem diskutieren wir neue Kriminalstatistiken und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Justiz.

11.05.2026 81 min Maria und Matthias

Zusammenfassung & Show Notes

Maria hat an einem sozialen Trainigskurs teilgenommen. Wir sprechen über die neue PKS und ganz zuletzt über den Jugendgerichtstag 2026.

Transkript

Matthias
00:00:14
Hallo und herzlich willkommen bei Scheiße gebaut, dem Jugendrechtspodcast. Ich freue mich, dass ich in Folge 66 wieder mal mit meiner Lieblingsjugendrichterin Maria, der besten Jugendrichterin der Welt, zusammensetzen kann, um über Jugendstrafrecht und Jugendkriminalität zu sprechen. Schön, dass du wieder da bist. Hallo Maria.
Maria
00:00:33
Hi Matze, hier bei mir sitzt Matthias, Geschichtenerzähler, Medienwissenschaftler und Podcaster und zusammen machen wir diesen Podcast, weil wir der Frage nachgehen wollen, was ist eigentlich los mit der Jugend, was macht die aus, was interessiert die, was beeinflusst die, was ist denen wichtig und weil wir über Jugendstrafrecht reden auch, bauen die wirklich immer so viel Scheiße.
Matthias
00:00:52
Es hat mal wieder ein bisschen gedauert, bis wir endlich zum Podcasten gekommen sind. Müssen wir uns schon wieder entschuldigen oder lassen wir das einfach?
Maria
00:00:58
Wir lassen das einfach, weil das wird glaube ich lame, wenn wir das jedes Mal machen. Es gibt ja Gründe, dass das so ist. Und das wissen die Beteiligten auch, weil wir das ja schon tausendmal erzählt haben. Und wir freuen uns einfach. Dass wir mal wieder hier zusammen an unserem roten Tischchen sitzen und ein bisschen podcasten können. Chui, unser Haushund, sitzt neben uns und freut sich, so Semi auch. Er möchte mindestens gestreichelt werden, wenn er es zwischendurch tapsen hört. Und Matthias das nicht rausgeschnitten kriegt, dann liegt es daran, dass das Fellknäuel hier rumläuft und etwas nervös ist, weil es die Setting noch nicht so toll kennt.
Matthias
00:01:31
Ich muss dir ja ganz ehrlich sagen, Maria, ich hatte zwischendurch kurz mal überlegt, ob ich das Format unseres Podcasts nochmal verändere, weil die großen Podcast-Plattformen inzwischen alle Videopodcasts anbieten.
Maria
00:01:45
Ach herrje.
Matthias
00:01:45
Wie stehst denn du zum Thema Videopodcast?
Maria
00:01:48
Ne, lass mal. Okay. Also, ich meine, wenn ihr da draußen nicht doof seid, dann könnt ihr natürlich im Impressum nachgucken und nachsortieren. Aber es hat ja einen Grund, dass wir hier nicht mit unserem Nachnamen arbeiten, sondern Matthias und Maria sind.
Matthias
00:02:05
Naja, ich habe ja das Gefühl, dass viele Podcaster so gerade aus unserer Podcasting-Welt, die eher so aus der Independent-Richtung des Podcastens kommen, dass die noch ganz andere Gründe hatten zu podcasten. Nämlich zum Beispiel, dass man seinen Schlafanzug nicht ausziehen muss. Dass man überhaupt mehr oder weniger so sich ans Podcast-Mikrofon setzen kann, wie man gerade so ist und ganz viele Dinge außer Stimmeölen nicht machen muss, was beim Videopodcast natürlich schon ein Thema ist.
Maria
00:02:36
Also ich kann euch versichern, dass sowohl Matthias als auch nicht halbwegs ordentlich angezogen sind gerade, aber wenn ich mich so in dem kleinen Podcastzimmer umgucke und denke, boah, wenn wir das jedes Mal aufräumen müssten, wenn wir hier podcasten, ja das wäre schon ein Problem.
Matthias
00:02:52
Naja, dann lassen wir das nochmal.
Maria
00:02:54
Das lassen wir.
Matthias
00:02:54
Aber ich pitch das dann nochmal.
Maria
00:02:56
Ja, pitch das doch nochmal mit ein bisschen mehr Elan und nicht so low.
Matthias
00:03:00
Spotify macht das ja schon ganze Zeit. Apple bietet das inzwischen auch an, allerdings noch in so einer Test- oder Probephase, wo es noch nicht alle, glaube ich, angeboten kriegen. Also alle Podcasten, die User können es natürlich schon sehen.
Maria
00:03:14
Gucken die Leute das denn?
Matthias
00:03:16
Ja, tatsächlich. Richtig, ja, ja.
Maria
00:03:19
Sagt uns mal, wie ihr das findet. Ich höre Podcasts ausschließlich bei anderen Aktivitäten. Also beim Autofahren, beim Spazierengehen, beim Joggen. Im Moment nicht so viel beim Joggen. Aber immer, wenn ich was anderes mache. Ich hätte gar nicht den Nerv, mich hinzusetzen, um mir zwei Leute beim Quatschen anzugucken. Aber okay.
Matthias
00:03:39
Das Geheimnis ist ja tatsächlich, dass beides möglich ist. Also natürlich würde man einen Videopodcast nie so machen, dass die Leute, die nicht gucken ...
Maria
00:03:47
Ja, ja, nicht verstehen, das verstehe ich schon.
Matthias
00:03:49
Ja, es ist tatsächlich gerade so, wenn es so Megatrends gibt im Podcasten, dann ist es neben dem, dass es immer mehr professionalisiert wird und immer die großen Player, die Charts anführen und die kleinen immer weniger richtig werden, ist das zweite Video-Podcasting nimmt Einzug.
Maria
00:04:10
Wir bleiben hier independent.
Matthias
00:04:12
Okay, alles klar.
Maria
00:04:13
Für umsonst und draußen.
Matthias
00:04:14
Maria, worum geht es denn heute?
Maria
00:04:18
Wir reden heute über soziale Trainingskurse und eine ganz interessante Erfahrung, die ich gemacht habe. Erzähl nicht so richtig einen Fall, aber vielleicht ist es doch schon ein Fall. Also wir werden mal sehen.
Matthias
00:04:31
Okay und müssen wir noch irgendwas vorher besprechen? Gab es Feedback? Gab es irgendwelche interessanten kriminalpolitischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen.
Maria
00:04:41
Auf die wir gucken müssen? Tausend Sachen und wir hätten eigentlich, bevor ich heute relativ spontan nach dem Frühstück gesagt habe, ey lass mal Podcasten heute, mal eine Liste machen müssen mit Dingen, zu denen wir eigentlich uns mal äußern müssen. Das schaffen wir nicht alles in einer Folge und dieses Brainstorming, zu welchen politischen Dingen wir mal Stellung nehmen müssen oder wozu wir mal was irgendwie beitragen müssen vielleicht, das müssen wir in einer anderen Folge machen. Worüber wir heute ganz kurz reden können, ist die neue PKS. Neupolizeiliche Kriminalstatistik, die rausgekommen ist für das letzte Jahr, also für 2025, die ganz erfreuliche Dinge ergeben hat. Matthias, stimmt's?
Matthias
00:05:20
Naja, genau, du hast völlig recht. Wir müssen aber als Disclaimer immer nochmal voranschieben. Die PKS ist ein Tätigkeitsbericht der deutschen Polizeien. Das bedeutet, das ist eine reine Hellfeldkriminalitätsstatistik staatlicherseits mit allen Nachteilen, die sowas haben kann. Es tendiert so ein bisschen dazu, halt all das zu betonen, wofür Polizei sich besonders interessiert. Überall, wo es keine Paragrafen, Klammer auf mehr, Klammer zu gibt, die ein bestimmtes Verhalten sanktionieren, also wenn zum Beispiel Straftaten wegfallen oder wenn Straftaten dazukommen, dann verschiebt sich die PKS einfach nur, weil im Gesetz andere Dinge stehen. Obwohl die gesellschaftliche Realität natürlich anders ist. Nur weil etwas in einem Jahr nicht mehr straff bewährt ist, heißt es noch lange nicht, dass die ganze Gesellschaft das cool findet. Auf der anderen Seite genauso. Nur weil etwas zu dem Jahr auf einmal einen Strafrechtsparagrafen hat, heißt es nicht, dass es nicht schon vorher auch ein Problem war oder dass es jetzt vielleicht ein riesiges Problem ist. Und insofern ist die PKS halt... In der staatlichen Statistik und vor allen Dingen, jetzt hört ihr gerade, wie der Hund sich geschüttelt hat, jetzt ist ihm langweilig, jetzt geht er raus und vor allem ist es halt so, es ist halt das, was ans Licht kommt, also ans helle Tageslicht der polizeilichen Ermittlungen und alles, was im Dunkeln bleibt, ist halt nicht in dieser Statistik erfasst.
Maria
00:06:51
Um das mal mit Klartext zu sagen, also im Moment habt ihr, nicht im Moment, aber in den letzten Monaten vielleicht gehört, dass die Politik darüber diskutiert, den 265a StGB, die Leistungserschleichung kleiner zu machen, auszuhöhlen, wegzumachen, was auch immer. Da geht es vor allen Dingen um Schwarzfahrten, also um das Fahren ohne ein Ticket in einer U-Bahn, einer Bahn, einer Straßenbahn, wo auch immer.
Matthias
00:07:17
Man muss vor allen Dingen sagen, eigentlich geht es fast nur darum, also die paar Mal, die man sich in ein Konzert schleicht oder in einen Kinosaal setzt, ohne zu bezahlen.
Maria
00:07:24
Das ist ziemlich selten. Fußballstadion kommt häufiger vor, aber so. Und diese Leistungserschleichung, darüber diskutiert die Polizei, ob das eigentlich eine schlaue Idee ist, das weiter strafbar zu lassen. Wir haben seit Jahren... Für mich gefühlt das erste Mal die Diskussion, eine Strafbarkeit aufzuheben, anstatt immer weiter Strafbarkeiten zu schaffen und zu verschärfen. Das finde ich ganz interessant. Aber wenn das passieren würde, wir also keine 265a Leistungserschleichung mehr hätten, dann würde auf den Schlag ein, also dann müsste ich jetzt kurz aus der Elle schießen, aber mindestens so ein Drittel der Betrugstaten wegfallen. So, wir hätten also plötzlich viel weniger Betrug in Deutschland. Boah, sind die Leute alle viel gesetzeskonformer geworden. Nein, das, was früher strafbar gewesen ist, wäre dann nicht mehr strafbar und würde also in dieser PKS nicht auftauchen. Wir hätten also einen immensen Rückgang an Straftaten, zumindest in einem bestimmten Bereich und übrigens auch in insgesamt, weil die ganz schön viel am Insgesamtvolumen ausmachen. Wie viel kann ich jetzt ehrlich gesagt gerade nicht sagen, aber können wir vielleicht in die Show Nutz stellen.
Matthias
00:08:25
Genau und dies vorangestellt, ähnliches ist ja auch gerade so ein bisschen bei dieser Cannabis-Legalisierung die Diskussion gewesen, weil auf einmal Verhalten nicht mehr so häufig verfolgt wurde, es war vorher auch schon nicht mehr ganz so hart, aber einfach auch nicht mehr so illegal ist. Da gibt es halt Veränderungen. Trotzdem, so ganz über den Daumen gepeilt, wenn man all diese Dinge, die wir vorher gesagt haben, so mit berücksichtigt, also diese polizeilich gezählten Fälle sind zumindest im Vergleich zum letzten Jahr zurückgegangen und zwar eigentlich über alle Kategorien hinweg. Also das ist ganz schön in diesen PKS-Tabellen, polizeiliche Kriminalstatistik, PKS-Tabellen, da gibt es für den großen Überblick immer so bei jeder Tabellenzeile so ein Pfeil, der zeigt entweder nach oben, das heißt ist ein bisschen gestiegen oder ist gestiegen, dann gibt es so ein Pfeil so zur Seite, das heißt ist gleich geblieben und so ein Pfeil, der nach unten geht. Und dann gibt es auch noch so einen Pfeil nach ganz oben, nach ganz unten und eigentlich alle Pfeile, die man in diesen Tabellen sehen, zeigen. Entweder zur Seite, also ist gleich geblieben oder nach unten oder ganz unten. Das heißt, es ist durch die Bank und vor allem bei den Menschen, die uns interessieren, also die Jugendlichen und Heranwachsenden im ganzen Großen nach unten gegangen. Jetzt im Vergleich 2025, 2024. Man muss dazu sagen, es ist auch nach Corona das erste Mal seit längerem hochgegangen. Das haben wir hier an dieser Stelle auch schon ein paar Mal berichtet. Und ja, bei den Kindern, da gibt es tatsächlich in einigen Bereichen weiterhin ein hohes Niveau und auch teilweise Steigerungen, aber auch nur in ganz, ganz ausgewählten Bereichen.
Maria
00:10:12
Was ich daran besonders interessant fand, ist, dass die Gewaltkriminalität zurückgegangen ist. Da haben wir in den letzten Jahren oft darüber diskutiert und auch der Tenor der Politik war, boah, Gewalt wird immer schlimmer und immer doller und am Ende ist das gar nicht so. Der Hund gibt sich großartige Mühe, den Poppast zu stören. Das ist wie so ein Kleinkind, der hier rumrennt und versucht, möglichst laute Dinge zu tun. Wir müssen das gleich vielleicht mal rausschneiden. Ja, in der Tat. Und das ist eigentlich ganz erfreulich, dass das so ist. Sagen wir mal vorsichtig so, das Innenministerium findet immer noch ein Haar in der Suppe und dass irgendwie die Sachen ganz dolle schlimm sind. Zum Beispiel, dass sich, also so habe ich zumindest die Pressemeldung verstanden, dass sich alles ja auf einem relativ hohen Niveau bewegt und das Sicherheitsgefühl der Menschen in diesem Land ja auch nicht gerade besser geworden ist. Ja, guess what, wenn ihr denen auch den ganzen Tag erzählt, dass alles immer schlimmer wird, obwohl das gar nicht stimmt, dann wird das Sicherheitsgefühl der Menschen übrigens nicht besser.
Matthias
00:11:11
Genau, das ist ein Problem. Also nochmal PKS-Tätigkeitsbericht der Polizei. Die Polizei hat ein Interesse daran, Und die Dinge zu highlighten, die immer noch nicht gut sind. Und das kann man auch verstehen, das ist ihr Job. Die sind dafür da, die Sicherheit in unserem Land im Auge zu behalten und nur weil viele Dinge so ein bisschen besser werden, gucken die natürlich auf Bereiche und sagen, aber guck mal, da müssen wir noch was tun, da müssen wir noch was tun. Also Cybercrime zum Beispiel ist immer noch ein riesiges Thema, verlagert sich auch weiterhin, also Betrug und sowas in den virtuellen Raum und ist dann auch ein Problem, weil das ist dann häufig im Ausland, da kommt man gar nicht so gut hin und so weiter. Das ist halt ihr Job und das ist auch nicht verwerflich, dass die diese Dinge highlighten. Und ja, es gibt halt Straftaten, da gibt es immer noch ein hohes Niveau und es gibt auch Bevölkerungsgruppen, die haben zum Beispiel einen relativ hohen Anteil an diesen Straftaten, zum Beispiel nicht deutsche Tatverdächtige sind, das haben wir schon tausendmal berichtet, immer noch überrepräsentiert im Vergleich zu dem Bevölkerungsanteil der in Anführungsstrichen Biodeutschen. Aber trotzdem ist auch die Kriminalität in diesem Bereich, in dieser Gruppe zurückgegangen. Natürlich ist das Kriminalitätsniveau verhältnismäßig immer noch hoch. Und das kann man auch soziologisch, sozialwissenschaftlich begründen, warum das so ist.
Maria
00:12:36
Eine ganze Folge zugemacht.
Matthias
00:12:37
Haben wir schon viele Folgen dazu gemacht. Und trotzdem wird halt das Innenministerium und werden die Innenministerien der Länder diese Dinge immer wieder nochmal hochzeigen. und sagen, das geht trotzdem noch nicht. Und das, was du zuletzt angesprochen hast, nämlich das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist wichtig, Ist denn halt ein Problem und zwar habe ich da meine Meinung auch ein bisschen geändert. Früher habe ich immer gedacht, ja die Bevölkerung ist auch doof und nur weil sich irgendwer unsicher fühlt, darf das noch keine Konsequenz haben auf kriminalpolitische Dinge, weil da könnte ja jeder kommen. Inzwischen ist es aber so, dass ich schon denke, naja, es ist nun mal Fakt, dass das Sicherheitsgefühl entweder so ist oder auch anders. Also dass Leute sich sehr unsicher fühlen, darauf muss man schon dann irgendwie reagieren. Nur dann hat die Politik auch eine Verantwortung, vor allen Dingen die Politik. Da auch die richtigen Dinge zu sagen und nicht einfach immer Panik zu schüren oder in das Horn zu stoßen. Es wird alles immer schlimmer, denn immer schlimmer wird es halt nicht. Das heißt, man muss schon da verantwortungsvoll mit diesem Sicherheitsgefühl umgehen und wenn Leute das nicht tun, wenn Parteien das nicht tun, dann führt das dazu, dass das Unsicherheitsgefühl zunimmt, ohne dass die Realität in irgendeiner Weise damit sonst zu tun hat. Und das ist dann schon ein Problem. Das heißt, Unsicherheitsgefühl von Menschen ist nicht nur durch die Realität von Taten beeinflusst, sondern auch von dem Diskurs über diese Taten. Und das ist halt, das kann wirklich ein Problem sein, weil dafür macht es dann, dafür ist dann dieser Faktor Unsicherheitsgefühl sehr, sehr sensibel für sehr ungute Dinge im kriminalpolitischen Diskurs. Ja, also und wir wissen ja auch alle, wer solche Dinge gerne schürt. Ich gehe jetzt mal aus Deutschland weg. Es ist halt ein typisches Mittel von populistischen Strömungen, dass man diese Unsicherheitsgefühle schürt. Weil wenn man Unsicherheitsgefühl verstärkt schürt, dann ist häufig die Konsequenz, dass viele Menschen sagen, ja da muss auch mal einer durchgreifen, da muss mal ein starker Mensch kommen, eigentlich mal ein starker Mann, so, außer in Italien, das ist mal eine Frau, aber ansonsten ein starker Mann kommen und das mal regeln. Und das ist eine ganz typische Strategie, die wir, wenn wir über den Atlantik gucken, bei Donald Trump sehen, die sehen wir aber auch bei anderen populistischen Politikern. Das haben wir bei Orban immer gesehen, das sehen wir auch bei diesem Vizu in der Slowakei. Das sehen wir überall, wo populistische PolitikerInnen agieren, dass die immer dieses Bedrohungsgefühl auch versuchen am Köcheln zu halten, immer dann, wenn es ihnen nützt.
Maria
00:15:32
Das finde ich ja ganz interessant, weil die Justizpolitik sonst ziemlich wenig Aufmerksamkeit hat. Es ist in den Haushaltstöpfen relativ klein und gering und auch sonst in der Wahrnehmung. Politik aber doch mit vielen Dingen damit arbeitet. Nämlich wie sicher ist unser Land? Wie sicher sind die Menschen hier? Ist das gerecht, was die Gerichte machen? Haben sich die Gerichte zu weit von der Meinung des Volkes entfernt oder sind die noch dabei? Das sind ja alles Diskussionen, die wir, Manchmal, denke ich, leider führen müssen.
Matthias
00:16:04
Genau. Und wir sind jetzt ja aber nicht im großen politischen Raum, sondern eigentlich haben wir es ja mit Jugendlichen zu tun, die Dinge machen, die gesellschaftlich als falsch angesehen werden und wo es auch Gesetze dagegen gibt. Und das ist dann ja häufig ein ganz anderes Feld, ein viel konkreteres Feld, wo man auch immer wieder nicht mit großer Politik konfrontiert ist, aber schon mit der Konsequenz, dass Politik auch in vielen Bereichen nicht Institutionen oder Menschen ausstattet mit genug Geld und Ressourcen, die versuchen damit umzugehen. Und das ist ja viel eher dein tägliches Thema und auch unser tägliches Thema.
Maria
00:16:45
Ja, das stimmt. Das tut mir leid, Matthias, das musst du jetzt ganz kurz durch. Zwei Sätze zur Digitalisierung sagen, vielleicht auch zwölf.
Matthias
00:16:57
Ich sage, dann habe ich ein Veto.
Maria
00:17:00
Das ist ja mal versuchen.
Matthias
00:17:02
Also wir reden jetzt nur ganz kurz über die Digitalisierung und ich sage das Wort jetzt einmal die E-Akte und dann wird es aber hoffentlich ganz schnell wieder besser.
Maria
00:17:10
Ja, ja, es wird ganz schnell wieder besser. Ich wollte nur sagen, dass wir natürlich auch so lange nicht gepodcastet haben, weil ich das schon ein paar Mal erzählt habe, wir fett in den Fängen der Digitalisierung hängen und Gerichte, Staatsanwaltschaften, die gesamte Justiz vor ganz großen Herausforderungen im Moment steht. Und ich zum Beispiel bin nicht so wirklich dazugekommen, eine Podcast-Folge zu schreiben und eine Idee zu haben, was wir hier heute machen, weil ich wirklich viel gearbeitet habe, um zu verhindern, dass diese im Moment nicht besonders... Optimal funktionierende Digitalisierung uns irgendwie den Boden unter den Füßen wegzieht. Und ich habe unter anderem in den mehreren Monaten, im letzten halben Jahr, in ganz vielen verschiedenen Bereichen meines Amtsgerichts Arbeiten übernommen, die normalerweise kein Direktor macht. Also ich habe Akten sortiert und ich habe Ablagesysteme aufgeräumt und ich habe noch nicht digitalisierte Akten migriert und in den verschiedensten Rechtsgebieten bei mir die Serviceeinheiten oder auch Rechtspfleger unterstützt. Und zwischenzeitlich sah das bei uns so finster aus, dass zum Beispiel in einer Abteilung, in der sonst vier Leute arbeiten, nur noch eine Person da war. Und das war anders gar nicht mehr händelbar, als dass ganz viele Menschen bei mir aus meinem Arbeitsbereich Dinge gemacht haben, die normalerweise nicht zu ihrem Arbeitsbereich zählen. Also Rechtspfleger zum Beispiel ganz viel Schreibwerk gemacht haben. Und das alles nicht aus Langeweile oder weil sie ganz viel Zeit übrig hätten, sondern weil wir es sonst nicht mehr geschafft hätten. Und das ist ja eigentlich verrückt, dass ich soll ein Haus führen, ich soll Leitungsaufgaben wahrnehmen und am Ende stehe ich dann auf einem Dachboden und sortiere Papierakten in große Lagerregale ein. Und stimmt, das ist nicht gut, aber das war nötig. Und ich will ganz kurz sagen, um einerseits meinen Mitarbeitenden, die sich wirklich jeden Tag krumm legen, damit das irgendwie läuft und funktioniert, zu zeigen, dass ich mit anfasse. Aber auch, um selber zu verstehen, wo die Probleme eigentlich liegen. Und das war ehrlich gesagt ganz schön cool. Weil dadurch, dass ich in so vielen Bereichen so unterschiedliche Tätigkeiten gemacht habe und gearbeitet habe, sonst bin ich ja wirklich einfach nur Strafrichterin, Jugendrichterin und Direktorin, aber jetzt habe ich wirklich in ganz vielen Rechtsgebieten gearbeitet und ganz unterschiedliche Dinge gemacht und jetzt kann ich ganz gut einschätzen, ob die Menschen also einfach nur ein Problem mit der Umstellung haben und einfach ein bisschen lahm darin sind, zu sagen, oh ey, ja, jetzt muss ich alles klicken, anstatt es mit der Hand auf dem Papier zu schreiben oder ob die Abläufe wirklich so blöd sind, dass wir uns zu Recht beschweren und guess what, es ist eher so Letzteres.
Matthias
00:19:38
Ja, ich muss da, also wir führen diese Unterhaltung täglich und für euch da draußen, wir werden es jetzt, also das Problem ist wirklich, die Justiz ist gerade an dem Punkt, wo ganz viele andere Berufe vor 20 Jahren waren, das ist leider so. Und da, wo Menschen von Aktenstapeln auf Taskmanagement-Stapel umgestiegen sind, das ist einfach wirklich ein anderes Verhalten und ein anderes Ding, einfach nur im Geiste.
Maria
00:20:07
Ja, das ist kompliziert und ich muss sagen, immerhin arbeite mein Amtsgericht noch mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln so gut und so schnell, wie wir irgendwie können. Und wir haben noch nicht aufgegeben und wenn dann die versprochenen technischen Verbesserungen auch irgendwann kommen, dann wird auch alles gut und dann werde ich in diesem Kontext das Wort Eheakte nicht mehr sagen müssen.
Matthias
00:20:27
Möchtest du noch weiteres dazu sagen? Okay, aber ich bin ein bisschen erleichtert, weil ich dachte, jetzt kommt noch bestimmte Beispiele.
Maria
00:20:36
Nein, ganz ruhig. Ich habe das glaube ich in der letzten oder vorletzten Folge schon gesagt, wir sind kurz davor, dass das Wort Eheakte am hiesigen Küchentisch verboten wird. Deshalb nur ganz kurz, ich wollte es nur euch auf den neuesten Stand bringen, weil als wir das letzte Mal darüber geredet haben, waren wir wirklich noch in einem anderen Stadion. In einem anderen Zustand und es ist tatsächlich so, langsam und mühsam ernährt sich das Eichhörnchen und wir versuchen es besser zu machen.
Matthias
00:21:03
Und ich freue mich jeden Tag, dass Maria, wenn Maria nach Hause kommt und einfach nur verhandelt hat und von Jugendlichen erzählt, die sie einfach hat. Und das ist immer ganz schön, weil du hast viele Verhandlungstage dienstags und dann kann ich mich freuen, weil ich weiß, wenn ich dienstags nach Hause komme und Maria auch, dann reden wir über echte Fälle und nicht über, organisatorische Fälle und über was alles mit irgendwelchen Akten oder Computer nicht funktioniert hat. Ich halte die ganze Zeit hier so einen Knochen von unserem Hund fest, damit er den nicht dauernd auf den Boden fallen lässt. Aber irgendwie müssen wir mal was die jetzt machen, dass der hier nicht die ganze Zeit total durchtickt. So, jetzt werfe ich das mal weg.
Maria
00:21:50
Ja, wir machen die Tür zu und gucken, was passiert.
Matthias
00:21:53
Okay.
Maria
00:21:55
Gehen wir mal zum Themenschwerpunkt?
Matthias
00:21:57
Sehr gerne.
Maria
00:21:58
Wir reden heute über soziale Trainingskurse.
Matthias
00:22:01
Das ist etwas, dass du ja als Sanktion schon dein ganzes RichterInnenleben und auch StaatsanwältInnenleben vorher plädiert oder dann verhängt hast. Warum reden wir erst in Folge 66 darüber?
Maria
00:22:16
Aber wir haben schon ganz viel darüber geredet und das zwischendurch immer mal wieder angerissen und ich habe ein paar Sachen erklärt, aber heute muss ich halt was erzählen, was passiert ist, was ganz besonders war und da will ich das so ein bisschen höher aufhängen. Wir können soziale Trainingskurse immer dann als Weisung verhängen, wenn wir das Gefühl haben, dass es einem Jugendlichen in der positiven Entwicklung helfen würde, einen solchen Kurs zu suchen. Denn diese sozialen Trainingskurse, die gibt es in ganz unterschiedlichen Aufführungen, mal drei Monate, mal sechs Monate, manchmal sogar länger. Die können sich mit ganz verschiedenen Themen beschäftigen, also mit Gewalt, mit Aggression, auch mit Sucht. Und meistens werden sie von Sozialarbeitern und Pädagogen geleitet.
Matthias
00:22:54
Aber das nochmal vorangeschickt, obwohl es trivial in diesem Kontext ist. Natürlich verhängst du sowas erst, also zum Beispiel so einen sozialen Trainingskurs, wenn das Kind schon einmal in den Brunnen gefallen ist. Das heißt, wenn schon einmal sich gezeigt hat, dass das notwendig ist.
Maria
00:23:08
Naja klar, ich kann ja keine Sanktionen verhängen, wenn ich niemanden vor Gericht habe.
Matthias
00:23:11
Ja, nee, ist mir schon klar. Also die generelle Idee wäre ja, dass man so einen sozialen Trainingskurse… könnte.
Maria
00:23:18
Bevor was passiert. Normalerweise gehören die sozialen Trinkskurse zu den ambulanten sozialpädagogischen Angeboten, den sogenannten ASAS, und ergänzen die Angebote der Jugendhilfe. Das wird meist über Freiträger finanziert und die ihrerseits erhalten staatliche Unterstützung, um diesem Auftrag dann am Ende auch gerecht zu werden. Und es ist so, dass Vielen Dank. Der erzieherische Handlungsansatz des Jugendstrafrechts besagt, dass man junge Straffällige zu sozialverantwortlichem Handeln, zur Wiedergutmachung, auch zur Aufarbeitung von Konflikten anreizen soll. Und dass man ihre Kenntnisse, ihre Ressourcen, ihre Erfahrungen stärken soll zur Legalbewährung. Und dass diese ambulanten Maßnahmen da vielleicht eine ganz hilfreiche Alternative zum Beispiel zu Jugendarrest und Jugendstrafe sind.
Matthias
00:24:09
Darf ich da mal was dazwischen schieben?
Maria
00:24:11
Ja.
Matthias
00:24:12
Ich weiß natürlich ungefähr, was ein sozialer Trainingskurs ist und da wird offensichtlich ein Kurs angeboten für mehrere Leute, schätze ich mal, weil es sonst sehr teuer wäre. Und ich habe mir das früher immer so ein bisschen wie Schule oder so vorgestellt, also wo so Leute, wahrscheinlich sitzen die eher im Stuhlkreis als an so Tischen und dann müssen die irgendwas machen. Und ich habe mir dann zwischendurch so überlegt, okay, da sind da Jugendliche, die funktionieren nicht so richtig super, weil sonst müssten sie da ja nicht hin. Und die sind, wenn die zu so einem Kurs gehen, stelle ich mir das so vor, so ein bisschen trotzdem wie in der Schule und wir wissen ja auch alle, dass auch Schule nur so mittelguthäufig funktioniert. Ich habe mich darum mal gefragt, wie gut funktioniert denn eigentlich so ein sozialer Trainingskurs? Also wie effektiv ist denn das eigentlich?
Maria
00:24:58
Das ist ganz lustig, weil mein nächster Satz in meiner Vorbereitung lautet wörtlich Soweit die Theorie und jetzt wisst ihr immer noch nicht genau, was die da eigentlich machen. Das ging mir nämlich auch ganz lange so. Und ich will dann ganz dringend irgendwann auch nochmal eine Folge mit jemandem aus dem ASAS machen, damit wir auch den Theorie-Background und so etwas besser erklären können. Aber heute, vielleicht müsst ihr mit mir Vorlieben nehmen. Also ich verhänge soziale Trainingskurse und ich weiß, dass Jugendliche in diesen sozialen Trainingskursen soziales Verhalten lernen. Dass sie dort in Gruppen über ihre Taten reden, aber auch über ihre Lebensumstände, ihre Pläne, ihre Wünsche und dass sie das nicht selten auf irgendeine Weise voranbringt. So, das ist das, was ich so zu den Abläufen da bislang weiß. Ich weiß auch, dass Trainingskurse sich für euch alle da draußen, die nicht mit unserem Feld beschäftigt sind, super easy anhört und das sind die überhaupt nicht. Also Jugendliche, die Straftaten begangen haben, finden das ziemlich grässlich, drei Monate lang mit irgendwelchen Sozialarbeitern und einer ganzen Gruppe straffälliger anderer Jugendliche zu reden. Denn es geht da eben nicht um Smalltalk oder um irgendwelche Belanglosigkeiten. Die Trainer versuchen schon, an die jungen Menschen ranzukommen und das tut auch ein bisschen weh. Ich schwöre euch, das tut manchmal sehr viel mehr weh, als richtig viel zu arbeiten, Geld zu bezahlen oder sogar manchmal irgendwie eine Zeit in Haft abzusitzen. Denn sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, mit seinen Problemen und seinen Schwierigkeiten, das ist gar nicht so einfach. Das ist schwer für alle Menschen. Das ist schwerer für junge Menschen. Das ist richtig doll schwer für Pubertierende. Und das ist wirklich grässlich für Pubertierende, die einen oder manchmal eine ganze Reihe von Fehlern gemacht haben und deshalb da sitzen.
Matthias
00:26:47
Sagst du gleich noch was dazu, was passiert, wenn die da nicht hingehen? Weil das ist ja eine Sanktion vor Gericht. Das ist ja eine Pflicht.
Maria
00:26:54
Das kommt echt ganz auf das gestrickte Konzept an. Ich kenne soziale Trainingskurse, bei denen es heißt einmal unentschuldigt fehlen bis raus.
Matthias
00:27:00
Und dann?
Maria
00:27:01
Dann melden die dem Richter, dass der junge Mensch nicht gekommen ist und dann gibt es einen Beuger-Arrest und danach müssen sie den Kurs nochmal anfangen.
Matthias
00:27:07
Ah ja.
Maria
00:27:08
Also genau so, wie wenn sie nicht arbeiten würden oder nicht Geld bezahlen würden oder den Entschuldigungsbrief nicht schreiben würden, den sie schreiben müssen. Wenn die Sanktion nicht eingehalten wird, dann gibt es einen Anhörungstermin. Bei mir dann frage ich noch nicht, warum ist das passiert und wie ist es dazu gekommen. Dann gibt es gegebenenfalls einen Beugearrest oder gleich eine neue Chance. Also bei den Kursen gibt es schon immer nochmal dann eine neue Chance, die müssen aber immer wieder von vorne anfangen. Es gibt Regeln, unterschiedliche Regeln bei unterschiedlichen Trägern. Manche erlauben einen Fehlkurs, manche sagen dreimal entschuldigt, fehlen viertes Mal geht nicht. Also wenn man viermal wirklich krank gewesen ist, ist auch schon raus. Immer relativ strenge Anforderungen an die Anwesenheit, weil es ja auch eine gerichtliche Sanktion ist.
Matthias
00:27:49
Und wenn so ein Kurs gar nicht funktioniert, weil die Leute da einfach nicht hingehen und zwar wiederholt nicht, kann man dann auch die Sanktionen nochmal komplett switchen oder ist das okay?
Maria
00:27:57
Jederzeit. Also ich kriege ganz selten mal die Rückmeldung von der Jugendgerichtshilfe oder von den Trainern aus diesem Kurs. Wir haben hier einen jungen Menschen, der kommt hier wirklich nicht klar. Das Gruppensetting ist nichts für den, das geht nicht. Das ist nicht so, dass der sich nur weigert und nicht will und faul ist, sondern dass wir wirklich das Gefühl haben, dem geht es hier nicht gut und wir wären froh, wenn du es umwandeln könntest in eine andere Auflage. Das kommt ganz selten mal vor. Ist öfter mal mit Leuten aus dem Autismus-Spektrum so. Die haben es manchmal nicht so leicht in so Gruppenkursen, sich da einzufinden und da auch irgendwie sinnvoll mitzumachen. Und da akzeptiere ich das auch. Also wenn die Trainer da sagen, okay, der ist nicht einfach nur, dass er sich hier rauswinden will, der packt das hier wirklich nicht, dann können wir auch was anderes machen.
Matthias
00:28:42
Okay, so, dann mal weiter.
Maria
00:28:45
Ich wünsche mir schon seit ganz vielen Jahren mal bei so einem sozialen Training zusehen zu können und ich bin bislang mit diesem Wunsch immer abgeblitzt. Weil das eben eine total künstliche Situation ist, dann ist eh schon so eine fragile Gruppe und dann kommt ein Richter dazu und setzt sich dahin und guckt zu und dann muss man sich so ein bisschen fragen, wer beobachtet denn da wen, und wie hoch ist der mögliche Schaden und wie hoch ist der Gewinn. Also mag ja sein, dass ich davon Gewinn habe, weil ich dann gesehen habe, wie das läuft, aber wenn die ganze Gruppe dann auseinander klackt, weil alle sagen, ja toll, da durfte uns irgendwie zwei Stunden einer zugucken, das finden wir nicht so toll oder die sich gar nicht geäußert haben, weil sie Sorge hatten, was zu sagen, weil da ein Richter daneben saß. Das ist ja alles blöd.
Matthias
00:29:27
Hätten die TrainerInnen nicht sagen können, guck mal hier, das ist Maria, die will heute nur zugucken. Ist das okay?
Maria
00:29:35
Ein bisschen zu alt. Also man sieht es doch auch, dass ich da nicht hingehöre.
Matthias
00:29:40
Du könntest ja auch irgendeine Auszubildende in dem Bereich sein, so eine Quereinsteigerin.
Maria
00:29:45
Ich bin ganz schön alt dafür.
Matthias
00:29:47
Okay.
Maria
00:29:48
Okay. Also es ist egal, mein Wunsch blieb und zwar auch, als ich das Gericht gewechselt habe und dann hat sich, weil ich das Gericht gewechselt habe, auch die Leitung das für meinen Bereich zuständigen Trainings geändert und dann habe ich die angesprochen und gefragt, ob es vielleicht bei ihnen möglich wäre und die haben gesagt, wir überlegen uns das. Und siehe da, ich bekam vor einigen Wochen eine E-Mail von Jana, die zusammen mit Yazid in meinem Gerichtsbezirk einen sozialen Trinkskurs anbietet. Und sie sagt, sie hätten das mit der Gruppe besprochen und ich könne an einem Abend teilnehmen. Und das hat mich total gefreut und dann habe ich voller Elan zugesagt.
Matthias
00:30:27
Da kann ich mich noch dran erinnern. Du warst auch ein bisschen aufgeregt, als du da, was heißt aufgeregt, du warst sehr neugierig, was da wohl auf dich wartet.
Maria
00:30:36
Lass es mich erzählen, denn schwupps sind wir mitten in meinem Fall für heute. Der Fall heißt Maria und er handelt davon, wie Maria in einem sozialen Training teilnimmt und was sie dort alles lernt. Es ist ein dunkler Montagabend, als ich mich in mein Auto setze und vom Gericht quer durch die Stadt rüber zum Jugendhilfeträger fahre. Ich war schon öfter dort zu Besuch, aber noch nie gemeinsam mit Jugendlichen, die ich eigentlich aus dem Gericht kenne. Hier muss ich einen kurzen Einschub machen, denn anders als sonst verfälsche ich heute nichts. Ich habe im Anschluss an meinen Besuch alle Teilnehmer gefragt, ob es für sie okay ist, wenn ich in einem Podcast von ihnen erzähle, was ich erlebt habe. Und die waren alle einverstanden. Ich kann euch also heute authentisch von meinen Erfahrungen erzählen und trotzdem habe ich die Namen der Jungs zu ihrem Schutz geändert. Über die von ihnen begangenen Straftaten erzähle ich mit Absicht nicht. Es waren ganz unterschiedliche Taten aus der mittleren und auch aus der schweren Kriminalität, die zur Verhängung des sozialen Trainingskurs geführt haben. Aber ihre Taten waren eben nicht unser Thema, denn es ging ja um die Teilnehmer. Ich stehe also auf dem Parkplatz und habe noch fünf Minuten Zeit. Ich will nicht zu früh kommen und warte noch ein bisschen im Auto. Ich bin weder schüchtern noch sonst irgendwie bange, aber ein kleines bisschen mulmig ist mir schon. Ich verlasse den Bereich, in dem ich mich auskenne, meine Wohlfühlzone. Ich weiß ja gar nicht, wie die Teilnehmer es finden werden, dass ich dabei bin. Ich weiß nicht, ob sie mich blöd finden werden oder das albern oder sogar richtig scheiße finden, dass ich zugucken möchte. Mir ist klar, dass ich einige der Teilnehmer kennen werde. in meinem Bereich gibt es nur zwei Jugendrichter, die Chance, dass ich also einige der Teilnehmer selbst verurteilt habe, ist gar nicht so klein. Ich klingle an der Tür und schon bin ich mittendrin. Jana und Jasit begrüßen mich und bringen mich zur Gruppe. Sie besteht heute aus vier Teilnehmern. Timo, Heiko, Adnan und Joshua. Eigentlich ist die Gruppe etwas größer. Einer hat sich wohl krank gemeldet, wo zwei andere sind, ist unklar. Ich überlege, ob es doch einen Teilnehmer zu blöd fand, mit der Richterin da zu sitzen und deshalb weggeblieben ist, aber alle sind zu höflich, um mir das zu sagen. Einen der vier anwesenden Jungs habe ich verurteilt. Ich weiß aus der Verhandlung noch, dass er höflich, aber auch sehr still war und nicht viel von sich erzählen wollte. Ich bin gespannt, ihn vielleicht etwas besser kennenzulernen. Wir machen eine kurze Vorstellungsrunde und dann geht's los. Die Jungs dürfen mir Fragen stellen und ich ihnen. Wir fragen immer im Wechsel und so tauen nicht nur die Jungs, sondern auch ich ein bisschen auf. Sie fragen. Haben sie Angst vor denen, die sie verurteilt haben? Ich antworte, dass ich wirklich nie Angst habe, weil ja alle wissen, dass sie was falsch gemacht haben und dass es dafür auch eine Strafe gibt. Ich sage ihnen auch, dass ich versuche in der Verhandlung nicht arrogant oder unfreundlich oder irgendwie anders scheiße zu sein und dass ich mir deshalb auch gar nicht so große Sorgen um mich selbst mache. Dann bin ich dran. Ich frage, findet ihr das Urteil, was euch hergebracht habt, gerecht? Alle Antworten mit ja, eigentlich schon. Mit einem fetten eigentlich. An der Stelle bin ich mir nicht sicher, ob sie einfach nicht unnett sein wollen oder ob ein Richter eine solche Respektsperson ist, dass sie sich eh nicht trauen würden zu sagen, dass sie es zu hart oder blöd oder falsch fanden. Zumindest sagt keiner, ich war das nicht und bin hier unschuldig verurteilt worden. Nun sind die Jungs wieder dran. Sie fragen, warum ich Richterin geworden bin. Ich erzähle Ihnen von meiner Zeit im Kriminologischen Forschungsinstitut und dass ich da Fragebögen von jugendlichen Häftlingen ausgewertet habe und so beeindruckt war, dass ich gerne Richterin und vor allen Dingen Jugendrichterin werden wollte. Ich bin dran und will wissen, ob sie das Gefühl haben, dass die Themen im Kurs manchmal zu privat sind. Das habe ich deshalb gefragt, weil ich ja eben eingangs gesagt habe, es ist eine ganz schön harte Strafe, dieser soziale Trainingskurs, weil sie sich mit sich selbst befassen müssen und mit der Tat und auch mit ihren Lebensumständen und dann auch noch mit der Tat und den Lebensumständen der anderen. Und das ist alles ganz schön viel. Und deshalb hat es mich interessiert, ob ihnen das alles einfach zu dicht ist und ob ihnen das zu sehr auf der Pelle hängt.
Matthias
00:35:02
Ich kann mich erinnern, dass bei ein, zwei Fällen, die du vorher schon mal erzählt hast und da ging es dann auch um die Sanktionen und dann hast du einen sozialen Trainingskurs verurteilt, dass die da überraschend wenig begeistert waren.
Maria
00:35:15
Ja, ja. Also, ich habe mal, glaube ich, von einem erzählt, der gesagt hat, das darfst du doch nicht sagen, jetzt kriegst du so einen Laberkurs. Ja, das finden die manchmal ganz schlimm. Und das wollte ich gern von denen wissen, ist euch das zu dicht hier? Hängen die euch zu doll auf der Pelle? Wie findet ihr das? Und sie haben dann erzählt, dass das am Anfang des Kurses schon ganz schön blöd ist und dass sie eigentlich auch gar nicht so große Lust haben oder auch vor allen Dingen hatten, etwas von sich selbst preiszugeben. Sie erzählen aber auch, dass man sich dann im Lauf des Kurses immer besser kennenlernt und dass es sich manchmal sogar wie Familie anfühlt. Kenne ich ehrlich gesagt aus meinem Kontext immer, wenn ich in einer weirden Fortbildungsveranstaltung mit sechs Leuten sitze, wo ich nur denke, oh Gott, wer hat uns denn zusammengewürfelt? Und am Ende lacht man den ganzen Abend zusammen und hat Spaß, weil es doch alles sehr nett sein kann. Und ich glaube, dass das da auch manchmal, wenn niemand so ganz dolle querschießt, auch so laufen kann.
Matthias
00:36:13
Wobei es da ja wirklich nicht um Spaß geht, ne?
Maria
00:36:16
Nee, gar nicht. Obwohl ich glaube, die Trainer auch versuchen, da eine Menge Spaß reinzubringen, damit es den Jugendlichen leichter fällt. Also ich bin sicher, dass die nicht drei Stunden, das dauert immer abends drei Stunden oder dreieinhalb Stunden, ich bin sicher, dass die keine drei Stunden Spaß am Stück haben, aber die versuchen schon Dinge zu machen, die denen auch Spaß machen, die auch schön für die sind. Als nächstes kommt eine harte Frage. Warum sind Richter manchmal so gefühllos, wollen Sie wissen? Ich erkläre Ihnen, dass ich ja ein richtiges Urteil machen muss und dass ich dafür ganz viele Regeln einhalten muss. Ich erkläre Ihnen auch, dass viele dieser Regeln zu Ihrem Schutz da sind und dass ich mich darauf konzentrieren muss, nichts falsch zu machen. Und auch, dass ich versuchen muss, so objektiv wie möglich zu sein. Ich erzähle Ihnen auch, dass sich das für Sie vielleicht manchmal etwas gefühllos anfühlt, dass wir Jugendrichter aber in den allermeisten Fällen nicht gefühllos sind, dass wir viel Mitleid haben und auch mal schlucken müssen und uns viele Gedanken machen. Dass wir aber auch gern den Eindruck vermitteln möchten, dass wir auf der Basis von Fakten und eben nicht nur von Gefühlen ein Urteil machen.
Matthias
00:37:27
Ist das angekommen? Ja.
Maria
00:37:30
Ehrlich gesagt, das war der Punkt, wo die Trainerin eingegriffen hat und es nochmal übersetzt hat und nochmal ein paar Worte dazu gesagt hat und hat gesagt, guck mal, das wollt ihr doch auch, dass ein Richter objektiv ist, also dass der nicht nur aus dem Bauch raus entscheidet, sondern sich das anguckt und sich das fair anguckt und das wirkt manchmal vielleicht etwas kalt und gefühllos, ist aber vielleicht manchmal zu eurem Schutz da. Ich will nicht ausschließen, dass sie auch mal auf Richter getroffen sind, die wirklich ein bisschen schwingungsärmer waren. Aber für die allermeisten Jugendrichter, die ich kenne, kann ich das nicht sagen.
Matthias
00:38:07
Hattest du das Gefühl, dass die Kommunikation relativ leicht gefallen ist? Oder war das schwierig, erstmal einen Ton zu finden, wo alle sich wohl gefühlt haben?
Maria
00:38:15
Es war genau so, wie es das vielleicht auch in diesen Kursen ist. Wir haben uns aneinander herangetastet. Ich fand das schon eine ziemlich harte Frage, wo ich dachte so, okay, ihr findet uns gefühllos. Okay, ich versuche zu erklären, warum wir das vielleicht gar nicht sind. Ich habe gesehen, als ich gesagt habe, dass wir oft Mitleid haben, dass wir uns viele Gedanken darüber machen, was wir mit ihnen machen und warum, dass sie das schon wahrgenommen haben. Das habe ich gesehen. So langsam haben wir uns warm geredet. Ich möchte von den Jungs wissen, was sie für eine harte und was sie für eine weiche Strafe halten. Wir Juristen haben ja eine ganz klare Vorstellung von einer Eskalation der Strafhärte. Im Jugendrecht sind wir uns einig, dass nach der Verwarnung die Arbeitsstunden oder gegebenenfalls Geldzahlung, Täter-Opfer-Ausgleich oder Betreuungsweisung kommt. Dass dann die sozialen Trainingskurse je nach Länge und Intensität kommen, als letzte Möglichkeit der Arrest und dann als wirklich Ultima Ratio die Jugendstrafe.
Matthias
00:39:16
Das war mir gar nicht klar, dass der soziale Trainingskurs in der Strafhierarchie tatsächlich erst nach den Arbeitsstunden kommt.
Maria
00:39:24
Vielleicht empfinden das Jugendrichter ja auch unterschiedlich. Da kenne ich keine Untersuchung zu, aber ich bin mir sehr sicher, dass wir alle finden, dass das das letzte vorm Arrest ist, was wir machen, Weil es doch eine sehr eingreifende, intensive Maßnahme ist, die schwer in auch die Privatheit der jungen Menschen eingreift und sehr viel schwieriger für die ist, als einfach irgendwo 30 Stunden zu fegen.
Matthias
00:39:47
Ja, okay. Ich finde es interessant, weil ich als Jugendlicher, also hätte man mir die Wahl gegeben, zwischen irgendwie die Fugen am Altenheim sauber machen, zehn Stunden lang, oder mich in so einen Stuhlkreis zu setzen und irgendwas zu erzählen. Hätte ich immer in den Stuhlkreis genommen?
Maria
00:40:04
Ja, du bist ja auch der Laber-Typ. Das ist bei denen auch oft nicht so. Ich bin also mega gespannt, was die Jungs mir erzählen. Timo sagt, dass er Arbeiten ganz okay findet und ein Arrest richtig schlimm. Er war auch schon in einem. Das heißt also nicht nur, dass jemand den sozialen Trainingskurs hat, nicht auch schon einen Arrest erlebt hat. Manchmal ist es auch die Frage der begangenen Straftat oder irgendeiner besonderen, oder dass sie die Gerichtszuständigkeit gewechselt hat oder sowas, dass das auch mal durcheinander gerät. Aber von den Jungs, die da waren, waren auf jeden Fall zwei schon im Arrest. Adnan sagt, dass er den sozialen Trainingskurs am wenigsten schlimm findet und eine Geldauflage für ihn die Höchststrafe wäre. Für Heiko ist der Arrest okay und Arbeiten richtig schlimm. Und Joshua findet alles eigentlich blöd, aber eine Geldstrafe am allerschlimmsten. Er sagt, Geld haben wir ja nicht. Da sagt er sowas Wahres. Für mich ist die Einordnung eine echte Offenbarung. Ich habe nie Zweifel daran gehabt, dass das, was ich milde finde, auch die Jugendlichen milde finden müssen. Und ebenso, was ich als harte Strafe empfinde, auch von ihnen so empfunden wird. Und das weiß ich jetzt besser. Ebenso wie die Sanktionsmöglichkeiten im Jugendstrafrecht ganz bunt und vielfältig sind, so ist auch die damit empfundene Belastung mit diesen Sanktionen offensichtlich bunt und vielfältig. Vielleicht frage ich sie nächstes Mal, wenn ich verhandle, was findest du am schlimmsten? Naja, gut.
Matthias
00:41:34
Wer soll darauf dann ehrlich antworten?
Maria
00:41:36
Ich frage ja gar nicht so selten in Verhandlungen, was fändest du jetzt eine gerechte Strafe für das, was du da gemacht hast. Da antworten wirklich viele drauf und auch viele mit einer sehr sinngebenden Idee.
Matthias
00:41:50
Okay.
Maria
00:41:51
Die Jungs sind wieder dran. Welches Urteil hat sie am meisten beschäftigt? Ich erzähle ihnen von Kevin aus Folge 3 und warum er mich so beeindruckt hat und warum ich mich immer wieder freue, wenn ich nichts mehr von ihm höre. Als nächstes will ich von Ihnen wissen, ob ich über Sie in meinem Podcast erzählen darf und alle sind fein damit, sodass ich heute diese Folge machen kann. Und zum Schluss, da haben wir nicht mehr viel Zeit, aber Adnan will wissen, ob ich auch abschiebehaft Sachen mache. Ich sage nein und habe da schon das Gefühl, dass ihm weitere Fragen dazu auf den Nägeln brennen.
Matthias
00:42:27
Aber du hast mal Abschiebe gemacht, ne?
Maria
00:42:29
Ja, leider. Abschiebehaft Sachen, ja. Abschiebesachen nicht, also das machen Verwaltungsgerichte. Aber ich habe als Haftrichterin Abschieber Haftsachen gemacht. Die habe ich auch nicht gern gemacht. Das ist keine schöne Tätigkeit.
Matthias
00:42:42
Ja, weil ich das gefragt habe. Man muss dazu dann sagen, da hast du gar keinen Spielraum mehr in der Sache. Du darfst nur noch Formalien prüfen.
Maria
00:42:49
Im Prinzip prüfst du nur Formalien. Auch in einer ganz geringen Ausmaß Verhältnismäßigkeiten. Also ob Haftgründe da sind oder erforderlich sind, das prüfst du schon. Und das hat ein ganz bisschen Spielraum. Aber du prüfst halt nicht mehr den Grundsachverhalt. Und ist dieser Ausländer abzuschieben, ja oder nein, den hat ein Verwaltungsgericht entschieden und erst wenn die das entschieden hat, kommt so ein Abschieberichter dazu, Abschiebehaftrichter. Und das ist sehr wenig erfreulich. Also weder das mit den Beteiligten, weil das ja auch wirklich für die eine fürchterliche Situation ist, noch für uns rechtlich, weil wir gar keinen Handlungsspielraum haben und selbst wenn wir da manchmal sitzen und denken, boah, das ist jetzt aber auch nicht cool hier, dann kann man nicht so richtig viel machen, das ist nicht gut. Ich bin sehr froh, dass ich das nicht mehr machen muss. Danach machen wir Pause. Es gibt Kaffee und Tee und alle stehen ein bisschen herum. Heiko geht zum Kicker und spielt mit sich alleine. Ich gehe dazu und frage, ob ich mitspielen darf und dann kickern wir. Es ist ziemlich ausgeglichen. Wir zählen keine Punkte, aber ich kassiere ein paar Tore und kann ein paar Tore landen. Als Jana ihn später fragt, wer gewonnen hat, sagt er brav, sie. Ich glaube, das stimmt nicht, aber er wollte vielleicht einfach nett sein. Nach der Pause geht es mit einem Spiel weiter. Ich hatte eigentlich geplant, so eine Stunde lang zuzuschauen, aber Jana und Yazid haben mich offenbar für den ganzen Abend eingeplant. Ich finde das toll und bin gespannt, wie es weitergeht. Das Spiel ist ein Ballspiel. Wir werfen uns gegenseitig einen Ball zu und müssen den Namen desjenigen nennen, dem wir den Ball zuwerfen. Und weil nicht immer alle Frau X sagen können, nennen mich alle Maria. Das finde ich ein bisschen komisch, dann aber auch eigentlich ganz schön. Es kommen immer mehr Bälle dazu. In der letzten Runde sind vier Bälle in der Luft und wir kommen ins Schwitzen und ins Lachen. Die Aufwärmübung hat jedenfalls gut geklappt. Danach kommt eine Übung, bei der die beiden Trainer und ich nur zuschauen. Sie heißt Eisscholle. Die Jungs stehen auf Cola-Kisten, leeren Cola-Kisten. Vier Jungs, vier Kisten. Man darf sich nicht mit der Kiste bewegen, also nicht so rumhuppeln. Alle vier müssen einen Tisch am Ende des Raums erreichen. Der Boden ist Eiswasser und berührt man ihn, wird man blind. Die Trainer verteilen alle auf die Kisten. Timo hat keinen Bock mitzumachen. Er kennt die Übung aus einem anderen Kurs und hat nicht so nette Erfahrungen gemacht. Aber er hat als erster eine richtig gute Idee. Nämlich, dass die zwei, die dicht beieinander stehen, auf eine Kiste gehen und dann die andere vor sich stellen und sie sich sofort bewegen. Das ist gar nicht so einfach, denn Adnan muss sich festhalten und steht auch echt eng zusammen. Adnan hat auch eine coole Idee. Er sagt, er könnte mit Absicht ins Wasser gehen und dort blind die Kisten hinstellen, dass alle zur rettenden Insel laufen können. Ich finde das total cool, aber die Trainerin erlaubt es nicht, dass er sich opfert. Timo und Joshua stehen am dichtesten beieinander und so fangen sie an. Ich kann sehen, dass es für sie herausfordernd ist, sich eine Kiste zu teilen, sich auf einer Kiste zu zweit zu halten. Das hat viel mit Körperkontakt und auch mit Vertrauen zu tun und ich finde es großartig zu sehen, wie sie ihre innere Abwehr überwinden und dann zusammenarbeiten. Dann bewegen sich Timo und Joshua mit ihren Kisten zu Adnan und Heiko und Flix haben die vier eine Kistenkette gebildet, mit der sie sich voranbewegen bis zur rettenden Insel. Sie lachen, halten sich fest, fallen fast runter und haben bei allem Nerv offenbar Spaß. Dann machen wir Hotdogs. Jeder bekommt eine Aufgabe, alle helfen mit. Am gedeckten Tisch sitzen wir zusammen und reden und essen. Es ist eine total entspannte Stimmung und man kann den Jungs anmerken, wie sehr sie es genießen, hier beieinander zu sitzen und entspannt zu quatschen. Nach dem Essen spielen wir Wehrwolf. Ich selbst habe das Spiel schon hundertmal mit Freunden gespielt. Und weil es ja immer was mit sich gegenseitig verdächtigen und mit Misstrauen und auch mit Lügen zu tun hat, habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich bei diesem Spiel ganz ordentlich in die Flicken bekommen kann. Ich finde es ziemlich mutig von den Trainern, in so einem Kontext ein so herausforderndes Spiel zu spielen. Aber die machen einfach und so macht das Spiel am Ende auch richtig Spaß. Die Wehrwölfe gewinnen übrigens, sie haben richtig gut getrickst. Nach mehr als drei Stunden verabschiede ich mich und lasse den Trainern den Raum, einen Abschluss ohne die Richterin zu finden. Und ich, ich fahre ganz selig nach Hause. Ich habe die Jungs von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Adnan ist schlau. Er hat tausend Ideen und seine Gedanken gehen weiter als bis zur nächsten Ecke. Er ist wirklich reflektiert und er hat hundert Fragen. Er fragt mich auch, ob er nach Syrien oder nach Griechenland abgeschoben werden könnte und erzählt mir von den Bemühungen seiner Familie und dass die schon für teures Geld einen Anwalt beauftragt haben. Adnan ist hier aufgewachsen, er kennt kein anderes Leben. Sein Schicksal hängt an dem Schicksal seiner Eltern. Er macht sich ernsthafte Sorgen, was mir wirklich leidtut. Joshua erzählt wenig von sich. Aber er sagt, dass er aus seiner Strafe 3000 Euro noch zahlen muss. Im Moment kann er nicht zahlen, weil er arbeitslos ist. Er findet es gerecht, dass er das Geld zurückzahlen muss, weil er es ja auch schließlich verbraucht hat. Als ich ihn nach seinen Bemühungen um einen Job frage, sagt er ehrlich, dass er so lange an der Geldstrafe bezahlen müssen, dass es sich fast nicht lohnt, einen Job anzunehmen. Er war derjenige, der in der ersten Fragerunde die Geldstrafe so schlimm fand. Ich verstehe, warum. Heiko ist super still. Er erzählt wenig von sich und kommt auch nicht so richtig aus seinem Schnecknerhaus heraus. Aber er kickert. Alleine und Mitrichterin ganz so, wie es die Umstände erfordern. Und er lässt mich nicht gewinnen, was richtig cool ist. Timo ist erst maulig. Er sagt, er hat nur zwei Stunden geschlafen, weil er nachts immer nach zwei oder drei Stunden schon wieder wach ist. Später fragt ihn die Trainerin, ob er Sorgen hat und er sagt, ja, jede Menge Sorgen. Die beiden führen das nicht weiter aus, verabreden sich aber zu einem Einzelgespräch. Timo wollte eigentlich die Eisschollenübung nicht mitmachen, war dann aber der Ideengeber und hatte erkennbar Spaß. Und beim Essen passt Timo auf, dass jeder etwas bekommt und reicht Lebensmittel an die weiter, die nicht richtig drankommen. Er ist ein sehr aufmerksamer junger Mann. Ich bin unheimlich beeindruckt. Von der Arbeit der Trainer, von dem sozialen Trainingskurs und vor allem von den Jungs, die mir so offen und so freundlich begegnet sind, wie ich es eigentlich nicht für möglich gehalten hätte. Ich weiß, dass jedes Kind etwas kann, irgendeine Superkraft, irgendeine Leidenschaft, irgendein Talent hat, das nur entdeckt werden will. Die Teilnahme an diesem Kurs hat mir das noch viel deutlicher gezeigt, als ich es normalerweise in meinem Gerichtssaal sehe und spüre. Und die Teilnahme hat mir auch gezeigt, dass die Trainer genau das im Blick haben. Dass sie sich wirklich kümmern und einsetzen. Dass sie hart dafür arbeiten, dass die Jugendlichen sich nicht nur mit ihren Fehlern auseinandersetzen, sondern auch ihre Stärken und Talente erkennen. Und an euch vier da draußen, weil ihr das vielleicht hört. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte und euch von einer anderen Seite kennenlernen dürfte. Ich finde, dass ihr alle auf eure eigene Art ziemlich tolle Jungs seid und nehme ganz viel von diesem gemeinsamen Abend in meiner Arbeit mit.
Matthias
00:50:36
Ja, du kamst nach Hause an dem Abend. Das war tatsächlich ein bisschen später, als ich eigentlich gedacht hatte, weil du den ganzen Abend da geblieben bist. Nun hattest du mir, glaube ich, gesagt, ich bleibe da so eine Stunde und dann fahre ich wahrscheinlich nach Hause.
Maria
00:50:47
Ich dachte, dass ich da störe.
Matthias
00:50:49
Genau. Und dann hast du mir ja schon ganz viel davon erzählt und das hätte man eigentlich schon mit Mikro mitlaufen lassen können tatsächlich. Aber ich denke, der Kern ist schon rübergekommen. Was ich mich gefragt habe ist, du hast jetzt extra nicht über die konkreten Taten gesprochen. Du hast aber gesagt, das sei so mittlere oder auch schon ein bisschen schlimmere Kriminalität. Ich erfinde jetzt mal was. Einer hat irgendwem Geld weggenommen. Ich hoffe, nicht gewalttätig abgezogen, sondern vielleicht Betrug oder so andere, denke ich mal, weil es der Normalfall ist, wahrscheinlich eher im Bereich Gewaltdelikte. Und jetzt höre ich als Außenstehender, was die da gemacht haben. Wir haben Werwolf gespielt, haben dieses Inselspiel gespielt und haben im Kreis gesessen. Ist es nicht schon doch schwierig, dann sozusagen in die Öffentlichkeit zu verkaufen, dass das eine Strafe ist? Also ich meine das gar nicht böse, weil ich weiß ganz genau, was das auch bringt. Aber eigentlich habe ich das Gefühl, okay, die haben da eigentlich eine bezahlte Jugendstunde, die sie nicht bezahlen müssen und das ist dann die Strafe. Ist das nicht ein Problem?
Maria
00:52:10
Sie haben ja an dem Tag, an dem ich da war, nichts gemacht, was sie bloßstellt, weil ich da war. Sie haben nichts gemacht, was unangenehm für sie ist, was sie in irgendeiner Sache, in eine Situation bringt, die für sie persönlich schwierig ist. Ich weiß, dass sie das auch tun. Ich weiß, dass sie über ihre Taten reden, über die Frage, ob das gut oder schlecht war, über die Frage, ob sie eine Idee haben, das wieder gut zu machen. Auch sich gegenseitig kommentieren lassen. Ich weiß, dass wenn sie über ihre Taten reden, durchaus auch die anderen sagen, das kannst du doch nicht gemacht haben. Was bist denn du für ein Arsch? Das geht doch nicht. Und dass sie sich wirklich viel damit auseinandersetzen müssen. Die Trainer haben in diesen drei Stunden mit mir, die wollten mir so ein bisschen das gesamte Portfolio, was man so machen kann. Spielchenaufwärmtraining, Fragestunde, Essen, richtiges Spiel, guten Abschluss finden. Die wollten mir gerne zeigen, was sie so alles im Portfolio haben. Aber das, was sie sonst natürlich machen, das fand ich auch gut abgestimmt darauf, dass ich da war, dass all das, was wirklich auf die Zwölf geht und wirklich unangenehm für die Jungs ist, auch nicht mit mir thematisiert worden ist. Das hätte ich auch nicht fair gefunden. Also eine echte Auseinandersetzung mit finde ich das fair, was es als Urteil gab wie bin ich behandelt worden vor Gericht was haben die da mit mir gemacht und was für ein Verhältnis habe ich zu diesem Staat und zu der Frage, dass jemand anders mir jetzt sagt, was ich tun und was ich lassen soll, ich bin sehr sicher dass sie das diskutieren und besprechen in genau dem Ausmaß, in dem das mit der jeweiligen Gruppe möglich ist, und dass das auch hart ist für die Jugendlichen, mir ist aufgefallen dass es irrsinnig hart für sie war, da drei Stunden zu sitzen, das hat die echt Das war herausfordernd.
Matthias
00:54:02
Warum? Mit dir oder weil Sitzen ein Problem ist?
Maria
00:54:05
Sitzen, den Kontext nicht bestimmt. Kein Handy haben. Den Kontext nicht bestimmen.
Matthias
00:54:10
Handyverbot, Handyabgabe vorher.
Maria
00:54:12
Handy wird abgegeben vorher. Ich musste mal das auch abgeben. Ja, und auch die Konzentration zu halten, da die ganze Zeit mitzuarbeiten, das ist ja nicht einfach. Das kann ja kein Teenager ordentlich. Länger als eine Dreiviertelstunde irgendwie. Schulstunden sind nicht umsonst nur eine Dreiviertelstunde lang, weil Teenies das halt schwierig fällt. Und gerade diesen Social-Media-Addicted-Teenies, das total schwer fällt, sich auf längere Zeit auf was zu fokussieren. Sagen mir übrigens auch, hat neulich jemand in einem anderen Kontext erzählt, dass sie es an den Hochschulen nicht mehr schaffen, die anderthalb Stundenblöcke durchzuhalten, weil die Studenten nicht mehr in der Lage sind, anderthalb Stunden am Stück zuzuhören. Und weil die nach einer spätsten 60 Minuten so nervös und hibbelig werden, dass man dann mal eine Pause machen muss. Ganz interessant. Und so ist das, glaube ich, für die schon auch, sie empfinden es, glaube ich, körperlich und sie empfinden es auch auf ihrer Seele, weil sie sich ja öffnen müssen und was erzählen müssen, weil auch auffällt, wenn sie das nicht tun und sich einfach nur immer verbarrikadieren und nicht mitmachen, weil es dann wahrscheinlich doofe und nervige Einzelgespräche gibt. Und ich glaube, dass sie das wahnsinnig herausfordert und ich verstehe, dass Menschen da draußen sagen, ja, so einfach nur ein Quatschkurs zum Quatschen, Gott ey, was soll denn daran Strafe sein? Ich sage euch, die Leute gehen lieber drei Wochen in Arrest, als das zu machen. Und das wirkt so viel besser, als drei Wochen in Arrest zu gehen. Warum um Himmels Willen sollten wir dann drei Wochen Arrest verhängen? Nur weil es härter klingt und weil die Menschen da draußen es besser verstehen können, dass für so eine schwere Tat dann auch jemand sitzt richtig.
Matthias
00:55:56
Ja, ja, also wir haben ja in diesem Podcast schon sehr häufig über das Thema gesprochen, geht es überhaupt um Strafe, es geht natürlich vor allem um Erziehung und kann man das verbinden und so weiter und so fort. Aber trotzdem glaube ich, dass gerade wenn du das jetzt so erzählst und du hast ja von denen eine Menge gelernt und das war für dich ein sehr, sehr interessanter und auch wertvoller Abend, nur natürlich wird das als Argument schon kommen. Ja, das ist doch sowas wie, so wie ich früher zur Jungschar gegangen bin oder zum Jugendclub, da haben wir die gleichen Spiele gemacht.
Maria
00:56:34
Ja, und wenn da irgendjemand die falschen Fragen gestellt, dann hast du dich umgedreht und bist rausgegangen. Es war kein Zwangskontext, du bist da freiwillig hingegangen, du bist da hingegangen, um Freunde zu treffen. Die treffen da ja nicht Freunde, sondern die treffen andere kriminelle Jugendliche. Die werden auch natürlich übrigens extra so zusammengewürfelt, dass nie die aus einer Pier beieinander sitzen das würde ja den Kurs immer sprengen das heißt, die sitzen immer mit irgendwelchen zusammen, mit denen sie sonst gar nichts zu tun haben oder wenig, und das ist ja, das hättest du glaube ich, also du wärst zu der Jungschau oder wo auch immer du da hingelaufen bist, auch nicht gern gegangen, wenn das immer andere Leute gewesen wären von denen du keinen kennst und die dich dann da zwingen, drei Stunden zu bleiben und nicht weg darfst, das hättest du auch nicht so geil gefunden Ja.
Matthias
00:57:14
Kommt drauf an. Also wenn man in einem kleinen genügend Dorf wohnt, wo es genau eine Gruppe gibt, dann geht man da trotzdem hin, aber ich verstehe schon, was du meinst.
Maria
00:57:22
Ja, also ich weiß, dass die Asas damit immer kämpfen, mit diesem Gefühl, da passiert ja nichts Richtiges. Ich glaube… Also ich wusste, dass das gut ist, was die da machen und ich wusste, dass das eine schlaue Idee ist, davon immer mehr zu haben und weniger von dem anderen restriktiven Kram. Aber dass es so gut ist, wie ich will nicht sagen, hat mich überrascht, aber hat mich so positiv bestätigt, dass ich dachte, ja, ja, ja, wir machen das Richtige, wenn wir uns auf solche Maßnahmen konzentrieren, in denen Menschen sich mit diesen jungen Menschen befassen. Es ist ja... Etwas, was ich in diesem Podcast schon immer erzählt habe, dass die jungen Menschen, die Straftaten begehen, ganz oft daran leiden oder die, die ich sehe, ganz oft daran leiden, dass ihnen der Kontext und der Kontakt zu anderen ernsthaften Erwachsenen, die sie ernst nehmen und die ihre Gefühle ernst nehmen und denen wichtig ist, was mit ihnen ist, fehlen, die eine gewisse Einsamkeit und Kontaktlosigkeit haben. Und denen ein Forum zu bieten, zu sagen, ich bleibe an dir dran, mich interessiert, warum du jede Nacht nur zwei Stunden schläfst. Ich will es wissen. Ich höre das nicht einfach oder überhöre das einfach, wie es vielleicht deine Mutter oder dein Vater tut, weil sie es auch schon 13 Mal gehört haben, und weil sie mit dir nicht richtig ins Gespräch kommen, sondern ich frage so lange nach, bis wir darüber im Gespräch sind und du deine Sorgen loswerden konntest. Das ist ja was super Sinnvolles, um zukünftige Straftaten zu verhindern. Und diesen Menschen Kraft und Stärke zu geben und sie in ihren Ressourcen zu bestärken. Und zu finden, was ist es eigentlich, was du gut kannst und was dich zu einem netten und coolen Menschen macht. Das ist ja etwas, was du und ich als Kinder gelernt haben, weil unsere Eltern uns ständig über den Kopf gestreichelt haben und uns gesagt haben, wie toll wir sind. Aber was viele Jugendliche nicht zwangsläufig lernen und da eine Auseinandersetzung zu haben mit Erwachsenen, die ihnen sagen, guck mal, das hast du heute richtig gut gemacht und das ist cool. Ja, es hört sich nicht wie Strafe an, aber es hilft.
Matthias
00:59:27
Mich beschäftigt gerade noch so ein bisschen diese Frage, diese Hierarchisierung der verschiedenen Sanktionen. Du hast es eben schon mal erklärt, dann kommen wahrscheinlich erst die Arbeitsstunden und so weiter und so fort und dann kommt das so. Jetzt komme ich als jemand, der sagt, ich habe das verstanden, es geht im Jugendstrafrecht erst mal um die Erziehung. Also dass Dinge dann nicht nochmal passieren. Man könnte jetzt ja aus dieser Erkenntnis heraus, es geht um Erziehung und so weiter, sagen, Sollten nicht erstmal alle so einen sozialen Trainingskurs machen. Also du hast eine Hierarchisierung gebaut, dir selber und eure Kollegen machen das wahrscheinlich ähnlich. Und was ist dann der Grund, dass ihr zu dieser Hierarchie kommt? Denn wenn doch möglicherweise das mit den sozialen Trainingskursen so gut funktioniert, dann könnte man das nicht.
Maria
01:00:17
Es braucht nicht jeder Jugendliche. Also ich habe neulich gegen den jungen Mann verhandelt, der mit 1,4 Promille 600 Meter mit dem Auto gefahren ist, weil er es umparken wollte. Der braucht keinen sozialen Trainingskurs, ehrlich nicht. Also der war sonst fit und alles und hatte alle Kapazitäten und alle Möglichkeiten in diesem Leben. Saß übrigens auch mit seinen Eltern hinten drin, obwohl er schon über 18 war. Beiden, interessanterweise. Und was soll der in einem sozialen Trainingskurs? So, der ist da falsch. Und die zwei Mädchen, die nur deshalb Liedschatten klauen, weil sie sich dazu verabredet haben und gucken wollen, wie es funktioniert, auch die sind da falsch. Also es ist schon eine ziemlich eingriffsintensive Maßnahme, die übrigens auch sehr, sehr viel Geld und Ressourcen kostet und die machen wir für Leute, bei denen wir das Gefühl haben, es hilft. Ich mache das auch oft, nicht oft, aber manchmal als erste Maßnahme statt Arbeitsstunden. Es gibt den sozialen Trainingskurs in meinem Bericht zum Beispiel auch als Wochenendseminar, wo man es nur ein Wochenende macht. Das ist sozusagen die Leitvariante und dann gibt es drei- und sechsmonatskurse. Aber das kann man natürlich auch machen, wenn man das Gefühl, dass es irgendetwas, was Gesprächsbedarf hat und wo du mal mit jemandem gezielt drüber reden musst, dann ist das schlauer. Und eigentlich soll es ja sowas wie eine Sanktionsspirale gar nicht geben, also eine Verstärkung der Sanktionen, weil eigentlich Erziehung das Ziel ist und nicht immer mehr weh zu tun das Ziel ist.
Matthias
01:01:52
Genau, aber das heißt, soziale Trainingskurse kriegen auch die Leute, wo du glaubst, dass die auch ein Defizit im Sozialverhalten haben oder wo du glaubst, die würden besonders gut reagieren, wenn sie mit Leuten über das Geschehen sprechen und sich da auseinandersetzen.
Maria
01:02:11
Eher Letzteres. Also bei den vier, die ich dort erlebt habe, habe ich gar kein so großes Defizit im Sozialverhalten gesehen. Aber es tut ihnen trotzdem gut, sich mit anderen darüber zu unterhalten. Die müssen jetzt nicht lernen, wie man Tisch deckt. Die Sozialarbeiter sagen oft, dass das auch wirklich viele lernen müssen, wie man Tisch deckt, dass man einen Tisch deckt, dass man ihn auch wieder abräumen muss, wie eine Aubergine aussieht und wie eine Zucchini.
Matthias
01:02:38
Grün, beides.
Maria
01:02:40
Genau. Und dass das bei vielen, dass das soziale Training ist das ist halt das Schöne an diesen Kursen dass die so ganz viele unterschiedliche Dinge ansprechen und auf ganz viele verschiedenen Ebenen, lehren und lernen können und das war bei diesen vier auch so die waren so unterschiedlich, dass da welche dabei waren die diesen Gesprächskram gar nicht dringend brauchen, aber vielleicht andere Dinge.
Matthias
01:03:08
Ok Vielen Dank.
Maria
01:03:10
Das war sehr, sehr beeindruckend und sehr interessant. Ich habe da wirklich viel mitgenommen und bin total froh, dass es funktioniert hat und geklappt hat.
Matthias
01:03:19
Und hat das jetzt irgendwelche Konsequenzen auf dein zukünftiges Verhalten bei Sanktionen?
Maria
01:03:26
Ich werde das noch häufiger und noch lieber machen, weil es wirklich cool ist. Ja, naja, ich sage das immer wieder, Erziehung findet nicht in unserem Gerichtssaal statt, sondern die findet danach statt, wenn es gut läuft, durch die Menschen, die das gelernt und studiert haben, nämlich Sozialarbeiter und Pädagogen. Und natürlich weiß ich nie, wie die das machen und ob die das gut machen. Ich weiß, dass die total nett sind und wir besprechen uns, wie gesagt, nicht selten mit denen, und ich weiß, dass das total nette, plietische Menschen sind, die coole Gedanken haben, aber ob die gut mit den Jugendlichen umgehen können und ob die heikle Situationen in den Griff kriegen und ob die sich was trauen und ob die den Jugendlichen was zutrauen, das weiß ich nicht, aber das weiß ich jetzt besser und das finde ich voll gut.
Matthias
01:04:11
Ja. Keine weiteren Fragen?
Maria
01:04:15
Die zwei Fragen?
Matthias
01:04:17
Möchtest du oder soll ich?
Maria
01:04:18
Ich stelle dir mal eine und das ist gemein, weil ich eine Idee unterbringen muss und dir deshalb eine Frage dazu stelle.
Matthias
01:04:26
Vielleicht geht es ja mal wieder um die E-Akte.
Maria
01:04:28
Nee, versprochen nicht. Ich habe die Idee, die Leute vom sozialen Trainingskurs dazu zu überreden, einen sozialen Trainingskursabend nur mit Richtern und Staatsanwälten zu machen. Mit all den Spielchen und dem ganzen Kram, den man da so macht. Wie findest du das?
Matthias
01:04:48
Ich glaube, das funktioniert nicht.
Maria
01:04:51
Weil wir nicht gemeinsam auf Cola-Kisten stehen können?
Matthias
01:04:54
Nee, weil...
Maria
01:04:55
Das ist vielleicht auch schwierig.
Matthias
01:04:57
Das geht ein bisschen, also meine Antwort geht ein bisschen in die Richtung, die meine Frage vielleicht auch berührt hat. Und zwar, also zum Beispiel du sagst, das Werwolfspiel, das haben wir früher auch zusammengespielt. Also auch in so einem Milieu, wo auch vielleicht ein oder zwei andere JuristInnen schon mal mit rumsaßen. Wir haben auch schon andere dieser Spiele oder dieser Aktionsformen vielleicht schon selber mal mitgemacht. Ich glaube, dass man, wenn man nicht mit den konkreten Menschen, die es dann wirklich betrifft, wenn man mit denen das nicht macht, so ein bisschen nicht kapiert, was denn eigentlich der Sinn für die Menschen genau ist, weil, mein Gott, da stehen dann halt so 25-jährige Frischlinge, die gerade das zweite Staatsexamen haben, auf einer Cola-Kiste rum. Und dann kichern die und sagen, das ist ein bisschen komisch. Was sollen die daraus lernen? Was sollen die daraus lernen, wenn sie dann in der Pause miteinander Kicker spielen, wie sie es auch schon in tausenden Workshops vielleicht mal gemacht haben oder auch wenn sie so Vertrauensspiele oder so machen. Das hat halt so einen Fortbildungscharakter im besten Fall. Aber ich glaube, zu verstehen, was das eigentlich mit den Menschen macht, um die es geht, kannst du nur, wenn du dich mit den Menschen unterhältst, um die es geht und wenn du die auch dabei beobachtest und auch selber mitmachst.
Maria
01:06:27
Ich habe halt überlegt, ich ging da raus und habe gedacht, oh scheiße, das müsste jeder Jugendrichter machen. Aber genau so. Ja, aber das geht natürlich auch nicht. Ja, wenn jeder Jugendrichter in unserer norddeutschen Großstadt ernsthaft an so einem Kurs teilnimmt, dann sind die vier Jahre mit nichts anderem beschäftigt, als die Jugendrichter da durchzuschleusen, weil sich ja immer mal auch der Kurs anbieten muss und es uns dafür passen muss und so und es zeitlich in den Kontext passen muss und dann fängst du wieder von vorne an, weil die Jugendrichter wieder durchgewechselt haben. Selbst bei uns habe ich meinem Kollegen davon ganz viel erzählt. Es ist jetzt nicht so, dass es glaube ich schlau wäre, wenn er das nächste Mal da reinging in einem Jahr. Ja, deshalb erzähle ich es hier im Podcast, damit wenigstens ein Transport des Gelernten sozusagen da ist, zu sagen, es ist einfach saukool, was die da machen. Ich habe ganz viel gelernt und noch mehr Gefühl dafür, wie cool diese jungen Menschen eigentlich sind.
Matthias
01:07:28
Ich glaube schon, dass sowas genau, also du erzählst was in dem Podcast, du erzählst das KollegInnen direkt oder die machen das vielleicht auch doch mal in ein oder zwei Jahren so im Einzelfall oder es dreht jemand nochmal einen Film über sowas und den zeigt man dann, dass das schon okay ist. Aber ich glaube, das zusammen zu machen, da kommt ganz viel von dem Setting, was du brauchst, um zu verstehen, was es eigentlich für die Verurteilten, die Betroffenen wirklich selber bedeutet, da kommt zu wenig bei rüber.
Maria
01:07:57
Ich fand zum Beispiel diese Fragen, die sie mir gestellt haben, mega interessant. Also ich fand ganz interessant, was wollen die eigentlich von der Richterin wissen.
Matthias
01:08:08
Und du fandst wahrscheinlich, du wirst dann damit konfrontiert, mit Fragen, die man einer normalen Richterin stellt. Und nicht mit Fragen, die in deinem Kopf jemand Maria stellt. Und du warst damit konfrontiert, dass die halt in dir auch die Justiz in der schwarzen Robe, die so ein bisschen herzlos ist, sehen. Und das ist wahrscheinlich auch so ein bisschen verletzte Eitelkeit, weil du den ganzen Tag versuchst, das nicht so zu machen. Naja, aber du hast halt auch diese Robe an. Du sitzt halt auch in diesem Gebäude, was so ein bisschen grau und groß und formal ist, und führst auch, wie du schon häufiger gesagt hast, dieses Theaterstück auf, was diesen komischen formalen Regeln folgt. Das ist so.
Maria
01:08:55
Ich fand es ja total gut, dass ich die Gelegenheit gekriegt habe, zu sagen, diese Regeln sind auch dafür da, euch zu beschützen. Also wenn wir das alles weniger formal und anders machen würden, dann hättet ihr auch nicht so viel Schutz. Also die Strafprozessordnung und all ihre seltsamen Regeln schützen ja den Angeklagten vor dem Staat. Zumindest in ganz vielen, vielerlei Hinsicht. Und das ist glaube ich auch angekommen, dass das ein ganz wichtiger Punkt von Formalismus ist, der gar nicht so negativ ist, wie das für junge Menschen so auf den ersten Blick erscheint.
Matthias
01:09:28
Okay. Bin ich jetzt dran? Ich habe mich so zwischendurch gefragt, als du von dem Kurs berichtet hast... Du standst irgendwann auch mal vor der Wahl, was du so tust mit deinem Leben. Wie doll juckt es dich in solchen Situationen zu überlegen, oder wäre ich gerne eher so ein Trainer geworden, so eine Sozialarbeiterin? Du fängst immer so, als hättest du das gut, was die machen.
Maria
01:10:01
Ich finde super, was die machen. Ich finde gut, dass ich das nicht machen muss.
Matthias
01:10:04
Warum nicht?
Maria
01:10:05
Ich hätte nicht genug Geduld mit denen. Also mit welcher Esels Geduld, die an diesem Abend, und die waren ja alle total nett und friedlich, ich wette, dass das auch anders zugeht in diesen Kursen, mit was für einer Esels Geduld, die weiter freundlich lächelnd gesagt haben, nee, das machst du jetzt mal nicht, nee, das erlaube ich nicht. Kannst du da mal hinten wegkommen? Du, wir waren eigentlich mit dem Kaffeetrinken fertig, stellst du mal deine Tasse ab? Boah, die ganze Zeit. Wie ein Lehrer halt, ne? So, und da bin ich schon froh, dass ich das nicht mache.
Matthias
01:10:33
Wolltest du nicht mal Lehrerin?
Maria
01:10:35
Wollte ich auch mal werden, aber inzwischen finde ich die Berufsfall so geglückt, wie sie war. Also man muss ganz schön, man muss ein dickes Fell haben und eine lange Leine und einen großen Puffer um sich rum und gleichzeitig aber auch eine Durchlässigkeit, damit man menschlich ist. Und das ist schon ein ziemlich komplexer Auftrag, den die da haben. Und das wäre so vom Typus her, ich glaube manchmal, sage ich auch Spaß an, mir ist eine Sozialarbeiterin verloren gegangen, aber ich glaube in echt ist das nicht so. Ich wäre da glaube ich nicht so gut und längst nicht so geduldig.
Matthias
01:11:14
Das heißt aber auch, dass dieses Selbstbild, dass du ja inzwischen auch nicht mehr so vertrittst, dass du sagst, du sagst ja nicht mehr so, die Erziehung findet vor allem im Gerichtssaal statt, sondern die findet außerhalb des Gerichtssails statt, dass du also nicht Erziehung machst, sondern Erziehung im besten Fall organisierst, dass das für dich okay ist inzwischen?
Maria
01:11:38
Ja.
Matthias
01:11:39
Okay.
Maria
01:11:39
Ja, finde ich gut.
Matthias
01:11:42
Weil es zu mühselig ist, habe ich so ein bisschen mitgenommen.
Maria
01:11:47
Ja, vielleicht ist es auch bequemer zu organisieren, als dann am Ende selber zu machen. Jeden das, was er am besten kann. Und ich habe das Gefühl, dass ich das mit dem Organisieren ganz gut hinkriege und andere Leute das mit dem Durchführen einfach besser hinkriegen, als ich das hinkriegen würde.
Matthias
01:12:03
Ja, das ist deshalb interessant, weil ja offensichtlich, also das kann ich jetzt übrigens hier mal so Quora Publikum bestätigen, organisieren, ist Maria absolut, also spitze. Vor allen Dingen, also nicht nur, weil es auch wirklich gut funktioniert, sondern weil es ihr auch noch in vielen Teilen Spaß macht. Das ist ja, also wie man organisieren. Das ist so das eine. Und das andere ist aber auch, dass das, glaube ich, in deinem Selbstbild sich ja wirklich geändert hat.
Maria
01:12:34
Das kann sein, ja.
Matthias
01:12:35
Und interessant ist auch, dass es ja auch für Juristen nicht das Normale ist. Also wenn man sich im Studium vorstellt, was muss eine gute Juristin können, dann würde man sagen, subsumieren.
Maria
01:12:48
Anwenden, ja.
Matthias
01:12:49
Anwenden und dann vielleicht würde man sagen, okay und dann auch noch im Strafrechtsfall eine Sanktion finden oder im bürgerlichen Rechtsfall im Urteil den finanziellen Ausgleich und sowas richtig regeln. Das ist dann ja auch nochmal schwierig. Aber eigentlich... Ist ja in deinem Fall dann häufig das Organisieren, also dass Leute überhaupt hinkommen zum Prozess und dass das dann auch mit der Sanktion funktioniert, dass es überhaupt die passenden Kurse gibt, denn es gibt ja JuristInnen, die verhängen auch Dinge, wo dann so die ambulanten Maßnahmen sagen, das können wir ja so gar nicht anbieten. Das haben wir ja gar nicht bei uns im Portfolio. Das ist ja viel Orga-Kram. Das ist ja überhaupt nicht, also subsumierend, habe ich ja schon verstanden, ist häufig nicht so kompliziert in deinem Beritt.
Maria
01:13:39
Nee, nicht.
Matthias
01:13:40
Und auch das andere, also klar, es muss auch formal richtig sein, was du da tust. Das muss auch schon der StPO folgen oder dem Jugendgerichtsgesetz in seinen formalen Abläufen. Aber das Organisieren ist ja eigentlich das, was am vielleicht am wichtigsten ist.
Maria
01:13:56
Ich behaupte ja, das Wichtigste ist bei mir der Ablauf der Hauptverhandlung, die Kommunikation mit dem Jugendlichen und das Learning auf beiden Seiten, wie der Staat mit der größtmöglichst verdiehenden Macht mit dem jungen Menschen umgeht, der etwas falsch gemacht hat. Und ich glaube, dass das auch wirklich die komplexeste Aufgabe von allen ist. Komplexer als subsumieren und sogar komplexer als, also für mich komplexer als Sanktionen finden, weil es so viele Sanktionen dann am Ende auch nicht gibt und manchmal da einfach die Auswahl jetzt auch nicht so ist, dass einem so gar nichts einfällt. Aber zu organisieren, dass diese Hauptverhandlung so läuft, dass am Ende alle da was draus mitnehmen können und der Angeklagte im Idealfall mitnimmt. Ich bin hier fair und ordentlich behandelt worden und ich habe für das, was ich falsch gemacht habe, einen angemessen Ärger gekriegt. Auf eine menschlich okaye Art, ich bin ein Mensch und so bin ich auch behandelt worden, das finde ich immens wichtig und das finde ich auch wirklich schwer, denn das ist von Angeklagten zu Angeklagten ganz unterschiedlich, wie man das hinkriegt und ich finde das tatsächlich eine total komplexe Aufgabe, die mir ganz viel Spaß macht und ganz viel bringt. Und ich behaupte, das ist unsere, in Anführungsstrichen, erzieherische Leistung der Hauptverhandlung. Dem Staat ein freundliches Gesicht zu geben und auch schon ein bestimmtes und auch das Richtige, aber eben auch ein freundliches Gesicht und alles weitere, auch dann frohen Herzens anderen Leuten in die Hand zu geben, die das andere besser können.
Matthias
01:15:30
Also Kommunikation tatsächlich.
Maria
01:15:32
Kommunikation, ja. Und Organisation schon auch. Aber da bin ich natürlich auch genervt von. Also wenn so ein Angeklagter nicht kommt und man den dann erstmal der Polizei abholen lassen muss, finde ich auch nicht lustig und nervt mich auch im täglichen Ablauf.
Matthias
01:15:45
Ja, aber auch da weiß ich jetzt ja nun auch, dass es unterschiedliche Typen gibt bei euch, JugendrichterInnen, aber auch da ist es dann ja auch wieder Kommunikation und Organisation, dass du dann nicht sagst, na gut, dann neuer Termin und so weiter, sondern dann Du rufst aus der Verhandlung dann bei der Polizei an, habt ihr Bock jemanden mal zu holen, der kommt nicht, ich wette, der sitzt zu Hause und dann Anwalt überreden, können wir mal eine halbe Stunde Pause machen, das ist ungefähr die Zeit, bis die Kollegen dann den Menschen hier vorgeführt haben und so weiter. Das ist ja auch alles Orga und überraschend häufig funktioniert es ja ja trotzdem.
Maria
01:16:19
Ja, aber es ist ja auch ehrlich gesagt Orga, wo ich immer am längeren Hebel sitze. Also ein armer Sozialarbeiter, bei dem derjenige nicht kommt und dessen Aufgabe ist es, ihn verbal davon zu überzeugen, dass es für ihn eine gute Idee ist, zu kommen. Das ist ja viel schwieriger, als wenn ich sage, okay, entweder du tauchst in der nächsten Viertelstunde auf oder dass die Polizei vor der Nase sitzt. Das ist auch echt easy. Also muss man mal sagen, das nervt, aber das ist nicht schwierig. Schwierig ist diese Kommunikationssache und die Frage, wie gehe ich mit der Frage von... Schuldfeststellung um, wie gehe ich mit der Frage um, wie jemand zu behandeln ist, der bestimmte Dinge getan hat. Das ist für mich kompliziert.
Matthias
01:17:03
Ja, vielen Dank.
Maria
01:17:04
Ja, die tun.
Matthias
01:17:05
Sind wir schon fertig mit unserer Folge?
Maria
01:17:07
Wir sind schon fertig, aber ich habe diesmal für den Abschluss ein bisschen was. Also erstens wollte ich ankündigen, dass wir uns ganz sicher in einer der nächsten Folgen über das Verantwortungsverfahren unterhalten werden. Das sogenannte Verantwortungsverfahren, eine Idee der CSU. Wie man junge Menschen unter 14 Jahren behandeln könnte die Straftaten begangen haben und die aber noch nicht strafmündig sind und gegen die deshalb eigentlich nach dem Gesetz kein Verfahren zu führen ist da gibt es eine politische Idee zu darüber würde ich gerne was machen, und mich darüber mit dir gerne unterhalten möchtest.
Matthias
01:17:39
Du das schon eine Meinung spoilern oder noch nicht?
Maria
01:17:44
Ganz großer Quatsch. Ich will schon mal spoilern. Warum? Das ist ja vielleicht eine interessante Frage. Und da müssen wir länger drüber reden, als das im heutigen Kontext gegangen wäre. Wir können uns auch nochmal über diese Abschaffung von Leistungserschleichung unterhalten. Das finde ich auch erwähnenswert, nochmal darüber zu reden, was die Politik da eigentlich gerade tut und warum sie es tut. Ich meine, es hätte eine Gesetzesinitiative gegeben, die aber erst nochmal abgeballert worden ist.
Matthias
01:18:09
Ist abgeballert worden.
Maria
01:18:11
Ja, aber das ist ja weiterhin schwanger. Und steht da Tropfen. Ich glaube schon, dass das irgendwann uns ereilt und wie wir das eigentlich finden und warum. Und dann muss ich einmal ganz kurz Werbung in eigener Sache machen, denn in diesem Jahr ist wieder Deutscher Jugendgerichtstag. und alle, die irgendwie auf irgendeine Art mit dem Jugendstrafrecht befasst sind, sind ganz herzlich eingeladen, dort teilzunehmen. Übrigens auch sonstige Besucher, die einfach nur interessiert sind, aber dafür ist es vielleicht ein bisschen too much. Es ist vier Tage buntes Programm von und mit der DVJJ, der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen. Und es wird Vorträge geben, Arbeitskreise, Berufsgruppentreffen, Filme und sogar ein Live-Podcast mit Maria und Matze.
Matthias
01:18:53
Ich wollte gerade sagen, wir sind doch auch da.
Maria
01:18:54
Ja. Und ganz viel mehr, ganz viel Austauschmöglichkeit mit Menschen, die in einem anderen Feld arbeiten, die was anderes machen. Das ist wirklich lohnend und toll, da hinzukommen und sich da die Zeit zu nehmen, sich mit dem Jugendstrafrecht zu befassen. Kommt also bitte alle zum 33. Jugendgerichtstag nach Kassel vom 24. bis zum 27. September diesem Jahr. Auf der Homepage der DVJ, dvjj.de, könnt ihr das Programm und auch die Anmelde-Modalitäten finden. Und ich würde mich freuen, euch dort zu sehen. Und auch wenn wir noch keinen Videopodcast machen, da hättet ihr zumindest die Chance, es einmal in echt zu sehen.
Matthias
01:19:36
Ja genau, Kassel neben Hannover die beste Stadt für sowas wo gibt. Weil von überall gleich weit entfernt.
Maria
01:19:43
Das stimmt.
Matthias
01:19:45
Das ist wirklich klar. Und hat einen ICE-Bahnhof, kommt man schnell von der Wilhelmshöhe dann überall hin.
Maria
01:19:52
Ja.
Matthias
01:19:53
Okay.
Maria
01:19:54
So viel dazu.
Matthias
01:19:55
So viel dazu. Dann hoffe ich, nein, dann freue ich mich erstmal, dass es heute geklappt hat und ich hoffe, dass wir uns dann bald mal wieder hören. Ihr da draußen, vielleicht hört uns noch jemand zu. Würde mich freuen. Und wenn ihr etwas zu sagen habt zu diesem Podcast, Dann sagt es uns doch auf der Podcast-Plattform eurer Wahl. Am meisten lesen wir es bei Spotify oder bei Apple oder auf unserer neu gestalteten Podcast-Website. Ich habe das Ganze so ein bisschen neu organisiert, dass es nicht so viel Arbeit ist.
Maria
01:20:30
Hübsch sieht das übrigens aus, Matze. Vielen Dank, dass du das gemacht hast.
Matthias
01:20:32
Da nicht für. Gebt uns ansonsten Sterne, wenn ihr gerade eh da seid oder empfehlt uns euren Freunden, Kommilitoninnen, wer immer ihr seid und was immer ihr für Gründe habt, uns zu hören. Maria, bis zum nächsten Mal.
Maria
01:20:47
Vielen Dank. Bis ganz bald.
Matthias
01:20:48
Ciao.
Maria
01:20:48
Tschüss.

Feedback geben

Dir gefällt der Podcast und Du möchtest das mal loswerden? Du hast Tipps für neue Themen oder magst über den Inhalt bestimmter Folgen diskutieren? Dann wähle im Formular die jeweilige Episode aus und schreib uns eine Nachricht. Vielen Dank für Dein Feedback!

Mit einem Klick auf "Nachricht absenden" erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Deine Daten zum Zwecke der Beantwortung Deiner Anfrage verarbeiten dürfen. Die Verarbeitung und der Versand Deiner Anfrage an uns erfolgt über den Server unseres Podcast-Hosters LetsCast.fm. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt. Hier kannst Du die Datenschutzerklärung & Widerrufshinweise einsehen.

★★★★★

Gefällt Dir die Show?
Bewerte sie jetzt auf Apple Podcasts